Im Ausland leben – Wo muss man Steuern zahlen?

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2017 | in Weltbürger

Digitale Nomaden Steuern

Ich kenne kaum ein Thema, das kontroverser diskutiert wird als das, ob und wo digitale Nomaden und alle Arten von Online Unternehmer oder Freelancer Steuern zahlen müssen. Muss jeder Steuern zahlen? Oder hängt es davon ab, wo man lebt, arbeitet und reist? Oder hängt es davon ab, ob man einen Wohnsitz in Deutschland hat oder nicht?

In diesem Guide werde ich dir helfen zu verstehen, ob du Steuern zahlen musst abhängig von deiner momentanen Situation, wo du deine Steuern zahlen musst und wie viel Steuern du zahlen musst.

Lass mich dir gleich sagen, dass es zwei weitverbreitete, aber falsche Annahmen gibt:

  • „Wenn ich in einem Land auf der Basis eines Touristenvisums lebe, dann bin ich in diesem Land nicht steuerpflichtig.“
    Diese Annahme ist vor allem in asiatischen Ländern beliebt (und ja, besonders in Thailand und immer mehr auch in Vietnam und den Philippinen, die zu den beliebtesten Orten unter digitalen Nomaden zählen).

Diese Annahme ist falsch, weil es das Gesetz in fast jedem Land der Welt ist, dass wenn du dich dort für mindestens 183 Tage in einem Jahr aufhältst (also für mehr als die Hälfte des Jahres), dann bist du eine „Tax Person“ in diesem Land und verpflichtet, auf dein Welteinkommen Steuern zu zahlen.

Viele von diesen „Nomaden“, die von der Unwahrheit der ersten Annahme wissen und versuchen, es richtig zu machen indem sie sich weniger als 183 Tage in einem Land aufhalten (beispielsweise 5 Monate in Thailand, 5 Monate in Deutschland und 2 Monate reisen) und ein Business gründen, sodass sie größere Investitionen in der Zukunft machen können (z.B. Immobilienkäufe), haben ebenfalls eine falsche Annahme:

  • „Wenn ich eine Offshore Company in Hong Kong, Singapur usw. gründe und ich nicht in diesem Land lebe, dann muss ich weder Unternehmenssteuern noch Einkommenssteuer zahlen.“

Auch diese Annahme ist falsch, denn du wirst immer Einkommenssteuer (Personal Income Tax) auf das Geschäftsführergehalt (Director’s Fee) zahlen, das du dir auszahlst. Glaube mir, ich habe eine Company in Hong Kong und obwohl die Steuersätze dort relativ gering sind im Vergleich zu Deutschland – du musst trotzdem zahlen! Wenn du an diesem Thema interessiert bist – ich habe einen kompletten Guide zur Gründung einer Limited in Hong Kong geschrieben.

Und bezüglich der Unternehmenssteuern (Corporate Profit Tax), auch diese musst du zumindest während deines ersten Geschäftsjahres in Hong Kong zahlen – und erst dann kannst du beim Finanzamt (Revenue Department) einen Antrag auf „Offshore Exemption“ stellen (vorausgesetzt, dass alle deine Einkünfte außerhalb HKs erzielt wurden). Stell dich darauf ein, dass du zahlreiche Unterlagen, Belege und Verträge einreichen musst (hast du die als digitaler Nomade oder Freelancer?), die beweisen, dass all deine Geschäftsaktivitäten tatsächlich im Ausland stattfinden.

Klar, du kannst auch ein Business in den „klassischen“ Offshore Ländern wie den Seychellen oder British Virgin Island gründen, aber dann stellt sich die Frage, ob du wirklich den Großteil deines Geldes in einem Bankkonto einer tropischen Insel mit weniger als 100.000 Einwohnern haben möchtest. Eine gute Idee wäre, dein Vermögen zwischen diesen „richtigen“ Offshore Ländern und anderen wie Hong Kong oder Singapur aufzuteilen. Ich werde diese Strategie gleich noch genauer erklären.

Nun, da du weißt wie es nicht geht, lass uns schauen wie es geht. Wenn du dich momentan in der Situation befindest, dass du ein Online Business hast (oder es zumindest planst), und immer noch unsicher bist was dieses Steuerthema für digitale Nomaden betrifft, dann sollte dir dieser Guide helfen, alles zu verstehen, was du wissen musst.

Sei nicht der Typ der glaubt, dass „digitale Nomaden nirgendwo Steuern zahlen müssen, deswegen nennt man sie doch Nomaden, oder?“. Die Konsequenzen, Bußgelder und Strafen können sehr hart sein, wenn du dich nicht an die Steuergesetze der Länder hältst, in denen du dich aufhältst. Es ist also wichtig, dass du die Regeln (=Gesetze) kennst. Nehme dir jetzt ein paar Minuten Zeit, um diesen Guide zu lesen – er könnte dir in ein paar Jahren große Schwierigkeiten ersparen.

Zuerst mal zu den wichtigsten Fragen:

Müssen Deutsche im Ausland steuern zahlen?

Viele Leute glauben, sie können einfach ihren Wohnsitz in Deutschland abmelden, ihre Wohnung verkaufen (falls sie eine besitzen) und dann in irgendeinem Land mit einem Touristenvisum zu leben und zu arbeiten, ohne dabei irgendwo Steuern zahlen zu müssen – weder in Deutschland noch in den Ländern, in denen sie sich aufhalten (weil sie dort ja offiziell nur „Urlaub machen“).

Thailand ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel für diese Konstellation, es gibt tausende junge und alte Leute, die sich für länger als ein halbes Jahr in den Paradiesen für digitale Nomaden wie Chiang Mai oder Bangkok aufhalten – wo sie auch arbeiten. Was den meisten von ihnen nicht bewusst ist (oft ignorieren sie es auch einfach) ist, dass sie in Wirklichkeit in Thailand steuerpflichtig sind.

Übersicht der 4 Arten der Steuerpflicht:

  • Unbeschränkte Steuerpflicht (§1 EStG): Wenn du dich in einem Land für 183 Tage oder länger im Jahr aufhältst (= gewöhnlicher Aufenthaltsort) oder du deinen Erstwohnsitz in einem Land angemeldet hast, dann musst du dein Welteinkommen in diesem Land versteuern.
  • Beschränkte Steuerpflicht (§49 EStG): Wenn du dich in einem Land nicht für 183 Tage oder länger im Jahr aufhältst (= kein gewöhnlicher Aufenthaltsort) und keinen Wohnsitz angemeldet hast, du aber Einkünfte in einem Land beziehst (z.B. Mieteinnahmen), dann musst du in diesem Land lediglich Steuern auf diese Einnahmen zahlen.
  • Erweiterte beschränkte Steuerpflicht (§2 EStG): Wenn du in ein Land mit extrem niedrigen Steuersätzen ziehst (i.d.R. weniger als ein Drittel von denen in Deutschland), dann bist du in Deutschland noch für 10 Jahre unbeschränkt steuerpflichtig – es sei denn, Deutschland hat ein Doppelbesteuerungsabkommen mit diesem Land vereinbart.
  • Keine Steuerpflicht: Wenn du dich in einem Land nicht für 183 Tage oder länger im Jahr aufhältst, keinen Erstwohnsitz angemeldet hast und kein Einkommen in einem Land hast (z.B. Mieteinnahmen, Zinserträge, Dividendenerträge), dann bist du in diesem Land nicht steuerpflichtig.

Das ist natürlich alles etwas allgemein und es gibt ein paar Besonderheiten zu diesen Regeln:

  1. In den meisten Ländern ist es völlig irrelevant, ob jemand dort seinen Wohnsitz registriert hat oder nicht. Was zählt, ist ob er 183 Tage oder mehr im Jahr in diesem Land verbringt. Falls ja, dann muss diese Person Steuern zahlen (unbeschränkte Steuerpflicht) und falls nein, dann muss er nur das Einkommen in diesem Land versteuern (beschränkte Steuerpflicht).
  2. Deutsche Staatsangehörige, die in Deutschland eine Wohnung oder ein Haus besitzen, sind verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen – selbst wenn sie ihren gewöhnlichen Ort nicht in Deutschland haben. Das Finanzamt prüft und entscheidet dann, ob sie seinen Status als „beschränkt steuerpflichtig“ anerkennen, d.h. ob er lediglich Steuern auf sein Einkommen in Deutschland zahlen muss.
  3. USA Staatsangehörige zahlen in den USA Steuern auf ihr Welteinkommen, egal wo sie ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort haben und wie viele Tage sie in einem bestimmten Land verbringen. Was zählt, ist die USA Staatsbürgerschaft: Wenn du eine hast, kannst du gleich zum letzen Abschnitt dieses Guide springen. Ausnahme: Du verbringst mindestens 330 Tage einer 365 Tage Periode im Ausland und hast dein „Tax Home“ im Ausland.
  4. UK Staatsangehörige sind ebenfalls von einer Sonderregel betroffen: Dort bist du ein „Tax Resident“ (steuerpflichtiger Bürger), wenn dein „einziges zu Hause während des letzten Fiskaljahres in der UK war“ (Achtung, das ist: 6. April bis 5. April) und du für 91 Tage oder länger eine Wohnung besessen, gemietet oder in ihr gewohnt hast (richtig, das sind gerade mal 3 Monate und die 183 Tage Regel greift hier nicht).
  5. Staatsangehörige bestimmter Länder (z.B. Spanien) müssen in ihrem Heimatland noch für 4 Jahre Steuern zahlen, nachdem sie in ein anderes Land gezogen sind.

Eines aber ist sicher: Wenn du dich während eines Jahres für mindestens 183 Tage in einem Land aufhältst, dann musst du dort auch Steuern zahlen.

Ein praktisches Beispiel

Angenommen du lebst in Bangkok. Leben? Nun, du besorgst dir halt 3 Touristenvisums mit jeweils 3 monatiger Aufenthaltsdauer. Das bedeutet, dass du deutlich mehr als die entscheidenden 183 Tage pro Jahr in Thailand verbringst. Bist du damit in Thailand steuerpflichtig? Natürlich bist du das.

Du glaubst vielleicht, dass du ja in Thailand eigentlich keine Geschäfte machst, wenn du deine Affiliate Seiten baust oder Kunden SEO für Businesses auf der ganzen Welt machst? Nun, das ist nicht relevant. Relevant ist, dass du dich für länger als 183 Tage in Thailand aufhältst, und diese Tatsache macht dich dort steuerpflichtig.

Es sei denn, dass du bereits in einem anderen Land Steuern zahlst, mit dem Thailand ein Doppelbesteuerungsabkommen vereinbart hat. Wenn du also zum Beispiel bereits Einkommenssteuern auf dein Geschäftsführergehalt deiner Company in Hong Kong gezahlt hast, dann musst du darauf natürlich nicht nochmal Steuern zahlen.

Achtung: Da du aber eine „Tax Person“ in Thailand bist, wirst du dort trotzdem eine Steuererklärung abgeben müssen. Hört sich recht nervig an, oder?

Zwei Vorschläge: Du könntest es entweder vermeiden, in einem Land für 183 Tage oder länger pro Jahr zu leben, oder du gründest einfach eine Company in Thailand. Ja, das wird dich womöglich mehr an Government Fees, Work Permit usw. kosten im Vergleich zu einem Offshore Land, aber auf lange Sicht sparst du dir damit viel Geld, wenn sie früher oder später herausfinden, dass du jahrelang Steuern hinterzogen hast und sie tausende Dollars (oder Baht) verlangen nachdem sie deine Steuerlast rückwirkend berechnet haben – plus Geldstrafe, plus möglicherweise Gefängnisstrafe.

Hört sich nach einem Horror-Szenario an, oder? Nun, das digitale Zeitalter ist ja noch relativ jung – wie auch der neue Lifestyle, ein Online Business von überall auf der Welt zu betreiben. Es gibt nach wie vor keine klaren Steuergesetze, die sich mit digitalen Nomaden befassen, die nirgendwo auf der Welt gemeldet sind und nirgendwo einen „gewöhnlichen Aufenthaltsort“ haben. Allerdings haben viele Typen die Illusion, dass sie sich in einer „Grauzone“ befinden, wenn sie in Wirklichkeit ganz klar steuerpflichtig sind. Du kennst jetzt die Regeln, lass uns also nun zu den Tipps kommen, wie du dein Leben und Business organisieren solltest:

Sollte ich als digitaler Nomade ein Business gründen?

Genau deshalb mag ich die Bezeichnung „digitaler Nomade“ eigentlich nicht. Ein Nomade ist jemand, der ständig herumreist, ohne ein klares Ziel zu haben. Also klar, wenn du einfach nur die ganze Zeit als Freelancer arbeiten willst und keine Absicht hast, dein Online Business zu skalieren, dann kannst du natürlich schon in verschiedenen Ländern ein Bankkonto eröffnen, diese mit PayPal verbinden, darauf bezahlt werden und so „nomadisch“ von Monat zu Monat leben.

Was aber, wenn du nicht nur auf Freelancer Seiten wie Upwork oder Fiverr arbeitest? Was, wenn du dir Kunden nehmen und ihr Online Marketing machen willst? Die meisten von ihnen werden erwarten, dass du ihnen vernünftige Rechnungen mit all deinen Geschäftsangaben sendest. Sogar viele der renommierten Affiliate Programme erwarten ein registriertes Unternehmen, damit sie dich bezahlen.

Und noch wichtiger: Was, wenn du in deinem Leben größere Ziele hast? Angenommen, du bist ein ernsthafter Internet Marketer wie ich, der Webseiten, Kontakte und Kunden aufbauen will und jeden Monat das Ziel hat, seinen Umsatz zu steigern, sodass du Geld für größere Investitionen ansparen kannst wie Immobilien, Aktien, Businesses oder von was auch sonst du so träumst oder denkst, was notwendig ist, um für deine zukünftige Familie und deinen Ruhestand zu sorgen.

Natürlich solltest du dann ein Business gründen. Das ist auch genau der Grund, warum ich mich entschieden habe, eine Limited in Hong Kong zu gründen. Wenn ich keinen richtigen Plan hätte, dann könnte ich mich einfach als „digitaler Nomade“ bezeichnen, einen Savings Account bei der Bangkok Bank eröffnen und ohne Vision einen „nomadischen Lifestyle“ leben (und immer mit dem Risiko, dass eines Tages das thailändische oder deutsche Finanzamt meine Steuerbescheide für die vergangenen 5 Jahre sehen will).

Der einzige Weg, um nirgendwo Steuern zu zahlen

Lass uns zuerst die Theorie anschauen, und dann die Praxis. Du musst nirgendwo Steuern zahlen, wenn du weder irgendwo auf der Welt als Tax Person registriert bist noch eine Company hast, deren Gewinne steuerpflichtig sind.

Die 3 Voraussetzungen um nirgendwo steuerpflichtig zu sein:

  1. Keine Steuerpflicht in Deutschland: Du hast keinen „gewöhnlichen Aufenthaltsort“ und auch kein Einkommen in Deutschland (wie bereits vorher in der Übersicht der Steuerpflichten angesprochen, z.B. Mieteinnahmen, Dividenden, Zinsen usw.).
  2. Keine Steuerpflicht im Ausland: Du wirst die Steuergesetze von jedem Land sorgfältig prüfen müssen, in dem du dich aufhältst. Theoretisch musst du in den meisten Ländern, in denen du arbeitest, auch Steuern zahlen. Wenn du aber stets mit einem Tourismusvisum dort bist (und weniger als 183 Tage im Jahr dort verbringst), dann wirst du vom jeweiligen Finanzamt wohl auch nicht als Tax Person erfasst.
  3. Kein Business, das steuerpflichtig ist: Du könntest entweder gar kein Business gründen und dir deine Einkünfte auf ein privates Bankkonto oder PayPal Konto auszahlen lassen. Oder du könntest ein Offshore Business gründen, dessen Gewinne nicht steuerpflichtig sind, wenn sie im Ausland generiert werden. Beliebte Beispiele hierfür sind Panama, Mauritius, Seychellen, BVI und möglicherweise auch Hong Kong und Singapur wenn sie deinen Antrag auf Offshore Exemption annehmen.

Und nun von der Theorie in die Praxis – da gibt es tatsächlich zwei Wege, um nirgendwo Steuern zu zahlen – aber nur einen, den ich persönlich empfehlen würde. Den schlechteren habe ich bereits in der vergangenen Sektion beschrieben.

Der schlechte Weg:

Du nennst dich einen digitalen Nomaden, gründest kein Business, verbringst weniger als 183 Tage in allen Ländern und besitzt keine Immobilien.

  • Vorteil: Du musst in den meisten Ländern keine Steuern zahlen
  • Nachteil: Du wirst nicht in der Lage sein, für ein größeres Investment Geld anzusparen. Warum nicht? Nun, stell dir vor du willst ein Condo in Kuala Lumpur kaufen und bittest deinen Banker, 5 Millionen Ringgit an den Bauträger zu überweisen. Glaubst du nicht, dass er dich fragen wird, woher das Geld kommt? Glaubst du nicht, dass er einen Nachweis haben will, dass du Steuern für dieses Geld gezahlt hast?
    Außerdem sind die Gesetze für „Staatenlose“ immer noch unklar und vielleicht wird auch so eines Tages jemand deine Steuerbescheide verlangen. Es ist immer besser, etwas zu haben, als nichts zu haben.

Der gute Weg:

Du gründest ein Business entweder an einem Offshore Standort wie den Seychellen oder British Virgin Islands, oder in Hong Kong und reichst zusammen mit deinem ersten Jahresabschluss einen Antrag auf Offshore Exemption ein.

  • Vorteil: Keine Steuern und du wirst dennoch die Möglichkeit haben, Geld für die Zukunft anzusparen und größere Investitionen im Namen deiner Company zu machen.
  • Nachteil: Sobald du ein solch „großes Investment“ gemacht hast (wie beispielsweise einen Immobilienkauf), wirst du jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben müssen in dem Land, in dem du das Investment getätigt hast. Und dann entscheidet der Beamte vom Finanzamt, ob er oder sie akzeptiert, dass du keine Steuern auf dein Geschäftsführergehalt bezahlst. In anderen Worten: Sie verlangen möglicherweise deinen Steuerbescheid.

Meine Empfehlung:

Wenn du in Deutschland lebst und arbeitest, dann solltest du natürlich auch hier ein Unternehmen gründen und wie auch jeder andere Selbständige deine Steuern zahlen. Wenn du aber wie ich bist, und die meiste Zeit des Jahres in zwei, drei oder vier Ländern verbringst, dann ist das meine Empfehlung:

Erstens, gründe ein Business entweder in Hong Kong oder Singapur. Diese Länder haben den besten Mix aus gutem Ruf unter Geschäftsleuten, stabilen ökonomischen Rahmenbedingungen (d.h. dein Geld ist relativ sicher in den Banken dieser Länder), angemessenen Verwaltungskosten (Accounting, Auditing, Erneuerung der Business License) sowie relativ niedrigen Steuersätzen (in Hong Kong beispielsweise ist die Profit Tax Rate 16,5%).

Dann, nach ein paar Jahren, wenn du weißt, dass dein Business mehr oder weniger stabil läuft und du dir sicher bist, dass du nicht mehr in Deutschland in einem Job arbeiten willst, könntest du den nächsten Schritt machen und eine „richtige“ Offshore Company wie beispielsweise in den Seychellen starten, wo du 0% Steuern zahlst.

Siehst du den Vorteil dieser Straegie? Auf diesem Weg diversifizierst du sowohl dein finanzielles Portfolio, minderst deine Steuerzahlungen und noch wichtiger: Du hast einen Nachweis, dass du Personal Income Tax (Einkommenssteuer) für dein Geschäftsführergehalt deiner Hong Kong oder Singapore Company bezahlt hast. Natürlich solltest du dir dann eher kein Gehalt von deiner Seychellen Company zahlen, sondern dort auf deinem Geschäftskonto sparen, um später in Immobilien, Aktien oder Businesses zu investieren.

Sei dir aber immer einer Sache bewusst: Es ist nicht das Ziel, keine Steuern zu zahlen. Das Ziel ist es, viel Geld zu verdienen und dir somit Wohlstand zu schaffen.

Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Mach nicht diesen Fehler

Verbringe nicht zu viel Zeit damit herauszufinden, wie du Steuern vermeiden kannst, sondern viel mehr damit, wie du mehr Geld machen kannst. Ich kenne so viele Leute, die mehrere Stunden am Tag alle möglichen Arten von Recherchen betreiben und verzweifelt versuchen herauszufinden, wie sie denn am besten keine Steuern zahlen müssen.

Klar, es ist nichts falsch daran, seine Finanzen so zu optimieren, dass man nicht mehr Steuern zahlt als notwendig. Aber verliere dich dabei nicht! Es ist viel besser, über Wege nachzudenken, um Geld zu verdienen, als über Wege nachzudenken, um Steuern zu minimieren.

Vergeude keine Zeit damit nachzudenken, wie du dein momentanes Monatseinkommen halten kannst, sondern konzentriere dich voll und ganz darauf, wie du dein Business aufbauen und expandieren kannst und mehr Geld verdienst, sodass es dir völlig egal sein kann, ob du nun 10%, 15% oder sogar 20% an Unternehmenssteuern zahlen musst.

Es gibt so viele Leute, die es endlich schaffen ihren Lebensunterhalt online zu verdienen, sich dann aber darin verlieren, in dem sie aufhören zu versuchen ihr Business zu skalieren und stattdessen grübeln, wie sie ihr momentanes Level halten können. Was dann fast immer passiert ist, dass ihr Business den Bach runter geht, weil sie weniger Zeit damit verbringen, an ihm zu arbeiten, weil sie sich in der Organisation ihrer Finanzen verlieren.

Deshalb: Bezahle jemanden, der dein Accounting für dich erledigt, zahle deine Steuern und konzentriere dich voll auf dein Business. Wenn du auch weiterhin deine Einnahmen steigerst, dann solltest du wirklich kein Problem haben, einen bestimmten Anteil davon an Steuern zu bezahlen. Die meisten Online Unternehmer nutzen PayPal und nur wenige von ihnen beschweren sich über ihre hohen Gebühren (4,4%). Ähnlich bei den Steuern: Zahle sie einfach, konzentriere dich auf dein Business und dann wirst du ohnehin mehr Geld verdienen.

Das sind so ziemlich die wichtigsten Punkte, die ich in diesem Guide ansprechen wollte. Bevor ich zum Fazit komme, lass uns noch auf ein Thema schauen, an dem du bestimmt auch interessiert bist:

Doppelbesteuerungsabkommen

Ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) ist ein Vertrag zwischen zwei Ländern, der, nun ja, die doppelte Besteuerung von Einkommen verhindern soll. Beispiel: Du kaufst eine Wohnung in Berlin und vermietest sie. Du wohnst momentan nicht in Deutschland und hast hier lediglich die Mieteinnahmen – sonst nichts. Du lebst in Thailand, wo du ein Geschäft angemeldet hast und Steuern sowohl für deine Gewinne als auch für dein Geschäftsführergehalt bezahlst.

Weil du in Deutschland Mieteinnahmen mit deiner Wohnung erzielst, musst du jedes Jahr eine Steuererklärung einreichen und darin auch die Einkünfte deiner Thai Company angeben (unter „Ausländische Einkünfte“). Und weil Deutschland mit Thailand ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat (wie auch mit den meisten anderen halbwegs entwickelten Ländern der Welt) musst du für deine Einkünfte in Thailand nicht noch einmal Steuern zahlen, sondern nur für deine Mieteinnahmen in Deutschland.

Genauso läuft es auch in Thailand ab: In der Steuererklärung ans Thai Revenue Department gibst du ebenfalls alle deine Einkünfte an – inklusive den Mieteinnahmen deiner Wohnung in Berlin – und nachdem du dafür bereits in Deutschland Steuern gezahlt hast, musst du auf Grund des DBA nicht noch einmal zahlen.

Kurz: Du musst möglicherweise in mehr als einem Land Steuern zahlen, aber nicht für dieselben Einkünfte.

Fazit

Du weißt nun von der entscheidenen 183 Tage Regel Bescheid. Wenn du also mehr als ein halbes Jahr in einem Land verbringst, dann zahle dort einfach deine Steuern und konzentriere dich auf dein Business, anstatt das Risiko einzugehen, dass dir in Zukunft Steuerhinterziehung vorgeworfen wird.

Und selbst, wenn du viel reist und nur ein paar Monate in jedem Land verbringst, dann würde ich dir trotzdem empfehlen, ein Business zu gründen und Steuern zu zahlen. Du kannst später immer noch ein weiteres Offshore Business ohne Steuerpflichten starten, um dein Vermögen zu diversifizieren.

Aber dann hast du zumindest einen Nachweis, dass du irgendwo Steuern gezahlt hast, was dir in ein paar Jahren so einige Schwierigkeiten ersparen könnte, und außerdem kannst du so auch Investitionen in Immobilien oder andere Bereiche machen, was nahezu unmöglich ist, wenn du einfach wie ein typischer Freelancer oder digitaler Nomade lebst.

Und vergiss eins nicht: Verschwende nicht zu viel Zeit mit diesem Steuerthema. Organisiere alles, nehme dir jemanden fürs Accounting und Auditing zur Hilfe und dann konzentriere dich wieder darauf, an deinem Online Business zu arbeiten.